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Warum deine Brillenstärke nichts darüber verrät, wie gut du wirklich siehst

  • 9. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Neulich saß eine Patientin in meiner Sprechstunde und war sichtbar verunsichert. Beim Optiker hatte man ihr gesagt, sie habe auf beiden Augen minus 1,5 Dioptrien. Gleichzeitig wurde ihr mitgeteilt, dass sie nur 60 Prozent sehe. Ihre Frage war naheliegend: Ist dann mit der Brille etwas nicht in Ordnung?


Genau solche Situationen sorgen immer wieder für Verwirrung. Denn viele Menschen denken, Dioptrien und Sehschärfe würden dasselbe bedeuten. Das ist aber nicht so.


Was Sehschärfe wirklich bedeutet


Die Sehschärfe wird auch Visus genannt. Sie beschreibt, wie gut das Auge Details erkennen kann.


Ein Visus von 1,0 entspricht 100 Prozent und gilt als normaler Richtwert für gutes Sehen. Wichtig ist dabei: Diese 100 Prozent sind kein Maximum, sondern ein Vergleichswert.


Wenn jemand also nur 60 Prozent Sehschärfe hat, heißt das nicht automatisch, dass die Brille falsch ist. Es bedeutet nur, dass das Auge aktuell nicht so fein sieht wie ein Auge mit Visus 1,0.


Was Dioptrien eigentlich aussagen


Dioptrien geben an, wie stark eine Brille das Licht brechen muss, damit das Bild genau auf der Netzhaut landet.


Sie beschreiben also die nötige Korrektur der Optik. Sie sagen aber nicht direkt aus, wie gut jemand am Ende wirklich sieht.


Man kann sich das ungefähr so vorstellen: Dioptrien stellen das Bild scharf, aber die Sehschärfe zeigt, wie gut das gesamte Sehsystem tatsächlich arbeitet.


Warum beides nicht gleich ist


Zwei Menschen können beide dieselbe Brillenstärke haben und trotzdem unterschiedlich gut sehen. Der Grund ist einfach: Die Brille gleicht nur einen Teil aus.


Wie gut das Sehen am Ende wirklich ist, hängt auch von anderen Faktoren ab, zum Beispiel von der Netzhaut, dem Sehnerv und der Verarbeitung im Gehirn.


Deshalb kann es vorkommen, dass jemand mit korrekt eingestellter Brille trotzdem keinen Visus von 100 Prozent erreicht.


Was man daraus mitnehmen kann


Dioptrien sagen, wie stark korrigiert werden muss.


Die Sehschärfe sagt, wie gut man am Ende wirklich sieht.


Wer diesen Unterschied kennt, kann Augenbefunde besser verstehen und muss sich bei einer Zahl wie „60 Prozent“ nicht sofort Sorgen machen.

 
 
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