Hautkrebs-Screening beim Augenarzt? Tatsächlich ja.
- vor 4 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Wenn ich bei mir oder meiner Familie einen neuen Leberfleck entdecke, dauert es keine zwei Minuten, bis ich ihn aus allen Winkeln betrachte. Und wenn er mir irgendwie komisch vorkommt, ab zum Hautarzt. Ich bin sicher, so geht es vielen: Wir wissen inzwischen alle, wie wichtig die Hautkrebsvorsorge ist. Sonnenschutz, Hautscreening, ABCDE-Regel – alles bestens bekannt.
Aber Hand aufs Herz: Wer denkt dabei an die Haut im Auge?
Die meisten wissen: Im Auge gibt es die Hornhaut vorne und die Netzhaut hinten. Weniger geläufig ist jedoch, dass dazwischen noch eine dritte Schicht liegt: die Aderhaut. Sie versorgt das Auge mit Blut und Nährstoffen und auch sie kann Pigmentflecken bilden, ganz ähnlich wie unsere Haut.
Ein Teil dieser Aderhaut ist sogar von außen sichtbar, nämlich die Regenbogenhaut (Iris). Dort können Leberflecken entstehen, die man manchmal schon mit bloßem Auge erkennen kann. Der größere Teil der Aderhaut liegt allerdings tief im Augeninneren, und der bleibt uns verborgen. Nur beim Augenarzt, wenn die Pupille weitgestellt und das Auge gründlich untersucht wird, lässt sich dieser Bereich einsehen.
Ich erinnere mich noch gut an einen meiner ersten Patienten als junge Augenärztin: ein sportlicher, junger Mann, der eigentlich nur zu einer Routineuntersuchung kam und keine Beschwerden hatte. Zufällig wurde bei ihm ein verdächtiger Fleck entdeckt, der sich später als bösartiger Tumor der Aderhaut, also ein Aderhautmelanom, herausstellte. Zum Glück wurde er rechtzeitig erkannt.
Seitdem denke ich oft: Wir achten so sorgfältig auf jeden Leberfleck auf der Haut, aber die im Auge bleiben meist unbeachtet. Dabei gilt auch hier: Früherkennung ist entscheidend!
Darum lohnt es sich, bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung beim Augenarzt nachzufragen, ob die Pupille weitgestellt und die Aderhaut gründlich kontrolliert werden kann. Verdächtige Pigmentflecken können dabei fotografiert und über die Jahre beobachtet werden. So erkennt man frühzeitig, wenn sich etwas verändert.
Keine Sorge – in den allermeisten Fällen sind solche Flecken harmlos. Aber eben nicht immer. Und je früher man Auffälligkeiten entdeckt, desto besser kann man reagieren.
Mein Fazit: Die Haut hört nicht am Lidrand auf. Ein gründlicher Blick ins Auge kann Leben retten – denn gerade die frühe Diagnose eröffnet die besten Behandlungsoptionen.

